| SENS Besprechungen |
| Besprechungen |
1 |
2 |
3 |
4 |
| Konferenzen |
1 |
2 |
|
|
Unerwünschte Zellen und wie man sie los wird
Es gibt drei Hauptklassen von Zellen, die sich beim
Altern übermäßig ansammeln: Fettzellen, seneszente Zellen und bestimmte
Zellen des Immunsystems. Fettzellen wachsen und/oder
teilen sich gerne, um die Muskelmasse zu ersetzen, die wir im Alter
verlieren. Die auffälligsten Fettzellen -- diejenigen unter der Haut, oder
subcutan, scheinen interessanterweise relativ harmlos zu sein. Sie machen
uns nicht anfälliger für irgendwelche lebensbedrohlichen Krankheiten,
solange wir nicht krankhaft übergewichtig sind. Wenn wir es sind, werden sie durch ihr
schieres Gewicht und die Belastung, die es auf das Herz ausübt, ganz
entschieden lebensbedrohlich. Wir sammeln außerdem "Eingeweidefett" in der
Leibeshöhle an. Dieses scheint eindeutig ungesund zu sein, weil es zunehmend
verhindert, dass wir richtig auf Nährstoffe aus dem Magen reagieren können.
Um genau zu sein verursacht es Insulinresistenz. Das bedeutet, das Insulin
kann nicht mehr an die Muskeln und anderen Zellen signalisieren, dass sie
Zucker aus dem Blutkreislauf aufnehmen sollen. Das führt zu Typ II
Diabetes. Wir sollten also wirklich versuchen, diese überzähligen Fettzellen
in der Leibeshöhle loszuwerden. Die zweite Art überzähliger
Zellen sind die seneszenten Zellen. In nur einem einzigen Gewebe sammeln sie
sich in ziemlich großer Zahl an: In den Knorpeln unserer Gelenke. Sie
sammeln sich auch anderswo an, aber in kleineren Mengen. Diese könnten
jedoch trotzdem wichtig sein, weil sie aktiv toxisch sind. Sie können sich
nicht mehr teilen, wenn sie es sollten, und sondern außerdem abnormale
Mengen gewisser Proteine ab. Die dritte Sorte, Zellen des Immunsystems, ist viel
komplizierter. Kurz gesagt scheint die Gesamtzahl der weißen
Blutkörperchen in unserem Körper sich im Alter nicht besonders zu ändern.
Allerdings werden einige Untergruppen größer und andere kleiner. Besonders
interessant sind die "zytotoxischen Gedächnis-T-Zellen". Menschen, die mit
bestimmten Viren infiziert sind, besonders mit dem Zytomegalovirus (den
haben die meisten von uns), häufen eine große Menge dieser Immunzellen an.
Diese sind sehr reaktiv gegen Proteine des Virus. Interessanterweise
funktionieren die meisten dieser Zellen anscheinend sowieso nicht gut. Sie
sind kaputt, so ähnlich wie die seneszenten Zellen. (s.o.) Möglicherweise
haben sie dafür auch den gleichen Grund, nämlich ihre krebsartige
unkontrollierte Zellteilunng zu verhindern. Deshalb ist es wichtig, diese
Zellen zahlenmäßig einzuschränken, so dass "Immunologischer Freiraum"
geschaffen wird, in den andere Zellen expandieren können, wenn nötig.
Wahrscheinlich müssen wir keine Angst haben, dass das Virus uns dann
plötzlich gefährlich werden kann. (Es wäre allerdings sicherlich
wünschenswert, das Virus ebenfalls loszuwerden, wenn wir können.
Entsprechende Forschungen werden intensiv verfolgt, weil Patienten mit
einem defektem Immunsystem, wie z.B. AIDS Patienten durch diese Viren oft
gefährliche Symptome zeigen.) Einige Arten von Immunzellen scheinen auch
mit dem Altern kaputt zu gehen. Das kann wiederum dadurch passieren, dass
sie sich so oft geteilt haben, dass DNA Schadensüberwachungssysteme
anspringen, und die weitere Zellteilung verhindern. Es könnte so aussehen,
also ob es das vernünftigste für so eine beschädigte Zelle ist, einfach zu
sterben. Dadurch würden allerdings andere, ähnliche Zellen angeregt, sich
öfter zu teilen und dabei könnte deren eigene DNA weiter beschädigt
werden. So könnte es für den Organismus vorteilhaft sein, wenn die Zellen
einfach präsent bleiben und Platz einnehmen, auch wenn sie ihre normale
Funktion verloren haben.
Solche Zellen loszuwerden ist wesentlich einfacher, als
die meisten anderen Dinge, die wir für SENS tun müssen. Was Fett angeht,
kann man es einfach wegoperieren, aber das ist unnötig invasiv. Es gibt
hauptsächlich zwei andere Methoden: Wir können etwas injizieren, dass die
unerwünschten Zellen zum Selbstmord anregt, aber andere Zellen in Ruhe
lässt, oder wir können das Immunsystem anregen, die betreffenden Zellen
abzutöten. Beide Ansätze basieren auf der Erkennung bestimmter Moleküle an
der Außenseite der Zielzellen. Zum Glück haben verschiedene Zelltypen oft
verschiedene Oberflächenmerkmale. Das sollte also nicht allzu knifflig
werden. Aber es ist noch nicht erreicht worden, und es arbeiten nicht
genug Leute daran. Wir brauchen hier viel mehr Aufmerksamkeit. Vielleicht
müssen wir uns auch nicht einmal direkt um das Immunsystem kümmern, weil die
Immunzellen als Nebeneffekt meiner bevorzugten Krebstherapie,
WILT, sowieso
ersetzt werden. Neben vielen anderen Sachen werden bei WILT die
Blutstammzellen genetisch verändert, die die Vorläufer der T-Zellen sind.
Indem wir lediglich ein paar zusätzliche genetische Veränderungen
einbauen, können wir die T-Zellen viel gefügiger machen, was ihre
Bereitschaft angeht, auf Befehl zu sterben.
Vorträge zu diesem Thema auf der IABG 10: Barzilai
Campisi
|