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Unerwünschte Zellen und wie man sie los wird

Es gibt drei Hauptklassen von Zellen, die sich beim Altern übermäßig ansammeln: Fettzellen, seneszente Zellen und bestimmte Zellen des Immunsystems.

Fettzellen wachsen und/oder teilen sich gerne, um die Muskelmasse zu ersetzen, die wir im Alter verlieren. Die auffälligsten Fettzellen -- diejenigen unter der Haut, oder subcutan, scheinen interessanterweise relativ harmlos zu sein. Sie machen uns nicht anfälliger für irgendwelche lebensbedrohlichen Krankheiten, solange wir nicht krankhaft übergewichtig sind. Wenn wir es sind, werden sie durch ihr schieres Gewicht und die Belastung, die es auf das Herz ausübt, ganz entschieden lebensbedrohlich. Wir sammeln außerdem "Eingeweidefett" in der Leibeshöhle an. Dieses scheint eindeutig ungesund zu sein, weil es zunehmend verhindert, dass wir richtig auf Nährstoffe aus dem Magen reagieren können. Um genau zu sein verursacht es Insulinresistenz. Das bedeutet, das Insulin kann nicht mehr an die Muskeln und anderen Zellen signalisieren, dass sie Zucker aus dem Blutkreislauf aufnehmen sollen. Das führt zu Typ II Diabetes. Wir sollten also wirklich versuchen, diese überzähligen Fettzellen in der Leibeshöhle loszuwerden.

Die zweite Art überzähliger Zellen sind die seneszenten Zellen. In nur einem einzigen Gewebe sammeln sie sich in ziemlich großer Zahl an: In den Knorpeln unserer Gelenke. Sie sammeln sich auch anderswo an, aber in kleineren Mengen. Diese könnten jedoch trotzdem wichtig sein, weil sie aktiv toxisch sind. Sie können sich nicht mehr teilen, wenn sie es sollten, und sondern außerdem abnormale Mengen gewisser Proteine ab.

Die dritte Sorte, Zellen des Immunsystems, ist viel komplizierter. Kurz gesagt scheint die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen in unserem Körper sich im Alter nicht besonders zu ändern. Allerdings werden einige Untergruppen größer und andere kleiner. Besonders interessant sind die "zytotoxischen Gedächnis-T-Zellen". Menschen, die mit bestimmten Viren infiziert sind, besonders mit dem Zytomegalovirus (den haben die meisten von uns), häufen eine große Menge dieser Immunzellen an. Diese sind sehr reaktiv gegen Proteine des Virus. Interessanterweise funktionieren die meisten dieser Zellen anscheinend sowieso nicht gut. Sie sind kaputt, so ähnlich wie die seneszenten Zellen. (s.o.) Möglicherweise haben sie dafür auch den gleichen Grund, nämlich ihre krebsartige unkontrollierte Zellteilunng zu verhindern. Deshalb ist es wichtig, diese Zellen zahlenmäßig einzuschränken, so dass "Immunologischer Freiraum" geschaffen wird, in den andere Zellen expandieren können, wenn nötig. Wahrscheinlich müssen wir keine Angst haben, dass das Virus uns dann plötzlich gefährlich werden kann. (Es wäre allerdings sicherlich wünschenswert, das Virus ebenfalls loszuwerden, wenn wir können. Entsprechende Forschungen werden intensiv verfolgt, weil Patienten mit einem defektem Immunsystem, wie z.B. AIDS Patienten durch diese Viren oft gefährliche Symptome zeigen.) Einige Arten von Immunzellen scheinen auch mit dem Altern kaputt zu gehen. Das kann wiederum dadurch passieren, dass sie sich so oft geteilt haben, dass DNA Schadensüberwachungssysteme anspringen, und die weitere Zellteilung verhindern. Es könnte so aussehen, also ob es das vernünftigste für so eine beschädigte Zelle ist, einfach zu sterben. Dadurch würden allerdings andere, ähnliche Zellen angeregt, sich öfter zu teilen und  dabei könnte deren eigene DNA weiter beschädigt werden. So könnte es für den Organismus vorteilhaft sein, wenn die Zellen einfach präsent bleiben und Platz einnehmen, auch wenn sie ihre normale Funktion verloren haben.

Solche Zellen loszuwerden ist wesentlich einfacher, als die meisten anderen Dinge, die wir für SENS tun müssen. Was Fett angeht, kann man es einfach wegoperieren, aber das ist unnötig invasiv. Es gibt hauptsächlich zwei andere Methoden: Wir können etwas injizieren, dass die unerwünschten Zellen zum Selbstmord anregt, aber andere Zellen in Ruhe lässt, oder wir können das Immunsystem anregen, die betreffenden Zellen abzutöten. Beide Ansätze basieren auf der Erkennung bestimmter Moleküle an der Außenseite der Zielzellen. Zum Glück haben verschiedene Zelltypen oft verschiedene Oberflächenmerkmale. Das sollte also nicht allzu knifflig werden. Aber es ist noch nicht erreicht worden, und es arbeiten nicht genug Leute daran. Wir brauchen hier viel mehr Aufmerksamkeit. Vielleicht müssen wir uns auch nicht einmal direkt um das Immunsystem kümmern, weil die Immunzellen als Nebeneffekt meiner bevorzugten Krebstherapie, WILT, sowieso ersetzt werden. Neben vielen anderen Sachen werden bei WILT die Blutstammzellen genetisch verändert, die die Vorläufer der T-Zellen sind. Indem wir lediglich ein paar zusätzliche genetische Veränderungen einbauen, können wir die T-Zellen viel gefügiger machen, was ihre Bereitschaft angeht, auf Befehl zu sterben.

Vorträge zu diesem Thema auf der IABG 10:

Barzilai      Campisi


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